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Polypharmazieboard – Kärnten als österreichweiter Vorreiter

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentierten die Kärntner Gebietskrankenkasse, der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und das Land Kärnten eine Zwischenbilanz des österreichweiten Pioniermodells „Polypharmazieboard“ in Kärnten. Für die KGKK steht dabei die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund.

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Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an mehreren Krankheiten zu leiden, wodurch die Einnahme vieler Medikamente kaum zu vermeiden ist. Von 8,5 Millionen Einwohnern in Österreich nehmen über 600.000 Menschen in einem Quartal fünf und mehr Medikamente gleichzeitig ein. In der Altersgruppe 60plus, die beinahe zwei Millionen Menschen umfasst, handelt es sich um rund 470.000 Betroffene. Werden fünf oder mehr Medikamente täglich eingenommen, spricht man von Polypharmakotherapie. Neben den ärztlich verordneten Arzneien, greifen jedoch viele PatientInnen auf frei verkäufliche OTC-Präparate zurück. „Schon die Einnahme von fünf Medikamenten am Tag kann zehn Wechselwirkungen und 15 Ursachen für eine unerwünschte Arzneimittelwirkung auslösen, was insbesondere bei älteren Menschen zu gravierenden Beeinträchtigungen bis zu Krankenhauseinweisungen führen kann“, erklärte Gesundheitsreferentin Dr. Beate Prettner. Laut Prettner seien insbesondere Patienten der Psychiatrie und Psychotherapie sowie ältere Menschen betroffen. „Die am häufigsten abgesetzten Medikamente sind die Gruppe der Schmerzmittel, Magenschutz und Blutgerinnungsmittel“, informierte die Gesundheitsreferentin.

Polypharmazieboard

„Die Sozialversicherung setzt seit langem österreichweite Aktivitäten, um das Thema Polypharmazie und die damit einhergehenden Probleme in den Fokus zu rücken. Eine dieser wichtigen Maßnahmen, ist das Polypharmazieboard in Kärnten. Dieses Reformpoolprojekt der KGKK, des Kärntner Gesundheitsfonds und der Ärztekammer für Kärnten wurde 2012 ins Leben gerufen und ging 2016 in die Regelversorgung über und hat damit österreichweit eine Vorreiterrolle im sorgsamen Umgang mit Medikamenten eingenommen“, freut sich Hauptverbandsvorsitzender Dr. Alexander Biach. 

„Im Rahmen des Polypharmazieboards - ursprünglich am LKH Villach, inzwischen aber auch am Klinikum Klagenfurt – trifft sich in regelmäßigen Abständen ein interdisziplinäres Team und bespricht die Therapien der PatientInnen, die mehr als acht Wirkstoffe täglich zu sich nehmen“, erklärt KGKK-Direktor Dr. Johann Lintner. „Das Ziel ist es, das Ausmaß der Vielmedikation nach den individuellen Möglichkeiten zu reduzieren, was in weiterer Folge eine Verbesserung der Versorgungsqualität der PatientInnen als auch eine Reduktion der Heilmittel- und Folgekosten bewirkt.“ Im Rahmen dieser Vorzeigeinitiative konnte bei den behandelten PatientInnen bereits eine Reduktion von 30 Prozent der Medikamente bewirkt werden.

Zudem wäre es für Biach wünschenswert, wenn das Polypharmazieboard auf ganz Österreich ausgerollt würde. „Wir sprechen hier von einem innovativen Projekt mit Modellcharakter“, ist Biach überzeugt. Und noch einen Wunsch äußerte der Hauptverbandschef in Richtung Gesundheitsministerium: „Klinische Pharmazeuten wären notwendig und wichtig. Ein entsprechendes Curriculum sollte für den Lehrplan der Universitäten erstellt werden“, will der Verbandsvorstandsvorsitzende die „Gesamtschau“ auf die Medikamentenverschreibung im Studium verankert wissen.


e-Medikation

Ein weiterer wichtiger und innovativer Schritt um etwaige Wechselwirkungen bzw. eine Vielmedikation zu vermeiden, ist die österreichweite Ausrollung der e-Medikation. In Kärnten ist diese Funktion nun seit knapp einem Jahr erfolgreich implementiert. Der rasche Zugang ermöglicht es, schnell und effektiv auf wichtige medizinische Informationen zuzugreifen, um unnötige Doppelverschreibungen zu verhindern. 


e-Rezept

Zusätzlich soll auch die Einführung des e-Rezepts bis 2022 zahlreiche Verbesserungen mit sich bringen. Das Papierrezept – über 60 Millionen Stück pro Jahr – wird in Zukunft weitestgehend durch eine elektronische Lösung abgelöst. Mit dem e-Rezept - einer Anwendung im e-card System - sollen papiergebundene Prozesse zwischen Ärztinnen und Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und der Sozialversicherung weitgehend durch elektronische Abläufe ersetzt werden. Konkret betrifft das die Ausstellung, Einlösung und Abrechnung von Kassenrezepten. „Kärnten wird auch in diesem Fall als Vorreiter agieren, da der Start der Einführung im Rahmen einer Pilotphase in zwei Bezirken in Kärnten im Jahr 2020 erfolgen wird. Danach wird das e-Rezept regional gestaffelt eingeführt und soll bis Mitte 2022 abgeschlossen sein“, erklärt Lintner.


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Bild: KGKK-Direktor Dr. Johann Lintner,  Gesundheitsreferentin Dr.in Beate Prettner und Hauptverbandsvorsitzender der österreichischen Sozialversicherungsträger Dr. Alexander Biach

Fotocredit: Weblacher


Veröffentlicht am 20.05.2019