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Ganzheitliche Diabetes-Strategie für Kärnten vorgestellt

Länger leben bei guter Gesundheit – unter diesem Motto entwickelte die Kärntner Gebietskrankenkasse eine nachhaltige Diabetes-Strategie. Sie fußt auf zwei Säulen: dem strukturierten Behandlungsprogramm für Diabetes-Erkrankte „Therapie Aktiv“ und dem Vorsorgeprojekt „Gute Idee“.

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Sujetbild zu Diabetes-Strategie Die Zahlen sind alarmierend: In Österreich wird die Gruppe der Diabetiker/innen derzeit auf rund 600.000 Menschen geschätzt. Tendenz steigend. Eine Entwicklung, die auch nicht vor Kärnten Halt macht. Nahezu 29.000 Kärntnerinnen und Kärntner sind bereits von der Diagnose Diabetes-Typ-2 betroffen. Somit bereits jede/r 20. Kärntner/in. Und die Dunkelziffer ist noch höher, denn Diabetes-Typ-2 ist tückisch, verhält sich zu Krankheitsbeginn unauffällig und es kann Jahre dauern, bis erste Symptome von den Betroffenen eindeutig erkannt werden - meist erst direkt mit dem Eintreten von Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nach den Ergebnissen des Österreichischen Kinder- und Jugendgesundheitsbericht erkranken immer häufiger jüngere Menschen an Diabetes. Auch finanziell wird geschätzt, dass 8,4 Prozent der von den Sozialversicherungsträgern getragenen Gesundheitsausgaben den betroffenen Diabetes-Patienten zuzuschreiben sind.

Um der Krankheit, die u.a. durch einen ungesunden Lebensstil entstehen kann, zu begegnen, hat die Kärntner GKK mit der Unterstützung der bundesweiten Sozialversicherungsträger, der Ärztekammer für Kärnten und dem Kärntner Gesundheitsfonds nun eine ganzheitliche Diabetes-Strategie „Länger leben bei guter Gesundheit“ entwickelt, die in den zwei Säulen „Behandlung & Schulung“ sowie „Vorsorge“ wirkt. 

Meilenstein in der Behandlung mit Programm „Therapie Aktiv“

„Mit der Einführung des Disease Management Programms „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“  ist in Kärnten ein Meilenstein für die Versorgung von an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Personen gelungen. Es ist das erste und einzige strukturierte Betreuungsprogramm in Österreich, das Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 regelmäßig medizinisch betreut“, freute sich KGKK-Direktor Dr. Johann LINTNER über die gemeinsame Anstrengung von Kärntner Gebietskrankenkasse, den bundesweiten Sozialversicherungsträgern und der Ärztekammer für Kärnten, die es ermöglicht hat, dass ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Diabetiker Typ 2 flächendeckend ab April 2016 in Kärnten angeboten werden kann. Kernstück des Programms ist die Unterstützung in der Behandlung von Arzt und Patient und ein individuelles Behandlungskonzept je nach Krankheitsstadium bestehend aus strukturierten ärztlichen Untersuchungen.

 

Bild zur Pressekonferenz der Diabetes-Strategie Kärnten_Copyright Thomas Hude, KK  Gemeinsam an einem Strang ziehen: KGKK-Direktor Dr. Johann Lintner, KGKK-Chefarzt Dr. Kurt Possnig, MBA und KGKK-Obmann Georg Steiner, MBA präsentieren gemeinsam mit Landesgesundheitsreferentin LHStv.in Dr.in Beate Prettner und Präsident Dr. Josef Huber und Vizepräsident Dr. Gert Wiegele der Ärztekammer für Kärnten die Diabetes-Strategie Kärnten bestehend aus dem Vorsorgeangebot "Gute Idee" und dem strukturierten Behandlungsprogramm "Therapie Aktiv" (v.r.n.l.) 


Die Betreuung eines Patienten erfolgt im Programm „Therapie Aktiv“ nicht anlassbezogen, sondern kontinuierlich – über den gesamten Lebenszyklus seiner Krankheit, um Begleit- und Folgeerkrankungen zu vermeiden beziehungsweise zu verzögern. Die medizinische Behandlung richtet sich nach evidenzbasierten Versorgungsleitlinien (Behandlungspfaden) und wird durch die Bereitstellung von Checklisten, die dem behandelnde „Therapie Aktiv“-Arzt einen optimalen Überblick zum jeweiligen Krankheitsverlauf seines Patienten bieten, erleichtert.

Im Rahmen der „Therapie Aktiv“-Untersuchungen werden regelmäßig relevante medizinische Parameter wie Bluthochdruck und Körpergewicht festgehalten sowie vordefinierte medizinische Checks zu Füßen, Augen, peripheren Nervensystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Harnausscheidungen durchgeführt. Zudem wird alle 6 Monate der Langzeitzuckerwert, HbA1c-Wert, kontrolliert und eine jährliche Anamnese durchgeführt. Besonderheit des Programms: Den Rahmen für die Ausgestaltung der Behandlung bilden Zielvereinbarungen, sogenannte Therapieziele, die gemeinsam zwischen Arzt und Patienten geschlossen werden. Im Rahmen der ärztlichen Untersuchungen werden diese je nach Krankheitsstadium und Notwendigkeit erhoben und bewertet.


Mit Einführung des Programms wird auch der Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit, die in den Bundesqualitätsleitlinien zur Qualität von Gesundheitsdienstleistungen ausgesprochen wird, entsprochen, ein Disease Management Programm (DMP) für Menschen mit Diabetes-Typ-2, das die Qualität der Betreuung und des Behandlungsablaufes bei der Versorgung verbessern soll, zu implementieren. Eine Empfehlung, der man in Kärnten nun als achtes Bundesland nachkommt.

 „Über die strukturierten Behandlungspfade und Vorgaben von Untersuchungen wird die Arzt-Patient-Beziehung gestärkt. Gerade in der Behandlung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 ist dies essentiell“, betonte Dr. Josef HUBER, Präsident der Ärztekammer für Kärnten einen wesentlichen Vorteil des neuen Behandlungskonzepts für Ärzte und Patienten. „Über das Behandlungskonzept erhalten Ärzte und Patienten auch eine neue Qualität in der Behandlungssicherheit  und über die Therapieziele ist die Mitbestimmung der Patienten im Behandlungsprozess gewährleistet“, unterstrich Dr. Gert WIEGELE, Vizepräsident und Kurienobmann der Ärztekammer für Kärnten die Patientenorientierung des Programms.

Zudem erfüllt das Programm einen niederschwelligen Einstieg - sowohl für Ärzte als auch für Patienten. Das Angebot ist für beide freiwillig und für Patienten kostenfrei. Teilnehmende Ärzte der Allgemeinmedizin und Inneren Medizin erhalten für die strukturierte Betreuung eine entsprechende Honorierung.

 

Seitens Kärntner Gebietskrankenkasse rechnet man mit reger Teilnahme am Programm. „Von den insgesamt 550 Ärzten bestehend aus Fach- und Wahlärzten der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin, die sich ins Programm einschreiben können, rechnen wir aktuell damit, dass sich bis Ende April ein beträchtlicher Teil ins Programm eingeschrieben hat. Derzeit werden vier Fortbildungsschulungen durchgeführt, drei davon sind bereits ausgebucht“, zeigte sich Dr. Johann LINTNER, Direktor der Kärntner Gebietskrankenkasse, aufgrund der großen Nachfrage zum Programm zuversichtlich.

 

Information durch Schulungen als erster Behandlungsschritt

Zusätzlich zum Behandlungsprogramm „Therapie Aktiv“ werden auch weiterhin die gut etablierten Diabetes-Schulungen angeboten. Kärntenweit werden bei speziell qualifizierten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie in den KABEG-Krankenhausambulanzen und in der KGKK-Hauptstelle kostenfreie Diabetes-Schulungen durchgeführt. Sie sollen zur Stärkung im Umgang mit der Diabetes-Erkrankung führen und stehen allen Betroffenen und deren Umfeld kostenfrei zur Verfügung. „Über die Schulungen können wichtige Fakten rund um Diabetes kommuniziert und Mythen, die sich hartnäckig halten, widerlegt werden. Die Betroffenen werden zu informierten Patienten und lernen, die Krankheit besser mit ihrem Lebensstil zu beeinflussen“, erklärte KGKK-Chefarzt und Diabetologe Dr. Kurt POSSNIG, MBA.

 

Neuerkrankungen durch Prävention verringern

Der Diabetes-Erkrankung will die Kärntner Gebietskrankenkasse gemeinsam mit dem Kärntner Gesundheitsfonds auch aktiv in der Vorsorge begegnen. Dass fehlende Bewegung, falsche Ernährung, Übergewicht und Rauchen eine bedeutende Rolle bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes-Typ-2 spielen, ist erwiesen. Als beste präventive Maßnahme gegen Diabetes-Typ-2 gilt ein gesunder Lebensstil. „Diabetes ist die Volkskrankheit Nummer eins – Grund genug, in Kärnten ein umfassendes Vorsorgenetzwerk mit Alleinstellungsmerkmal zu etablieren“, informierte Kärntens Gesundheitsreferentin LHStv.in Dr.in Beate PRETTNER zu den neuen Wegen der Prävention, die mit dem Angebot der Säule „Vorsorge“ der Diabetes-Strategie gegangen werden: das Vorsorgeprojekt „Gute Idee“ zielt auf die Verminderung des Risikos an Diabetes-Typ-2 zu erkranken ab. Alle Interessierten können die darin angebotenen zahlreichen Angebote zur gezielten Umstellung des Lebensstils im Ernährungs- und Bewegungsverhalten in ganz Kärnten kostenfrei in Anspruch nehmen.

 

Mit Vorsorgeprojekt „Gute Idee“ länger gesund leben

Das Angebot umfasst Ernährungsvorträge, interaktive Kochshows mit Prof. Peter Lexe, Koch- und Ernährungsworkshops sowie individuelle Einzelberatungen zum Bewegungsbedarf und praktische Tipps für gesunde Bewegung. Schnuppereinheiten in Bewegungskursen runden die Gesundheitsangebote ab. Für zu Hause werden auch Rezept- und Bewegungskarten, Rezeptvideos und Fitnessbänder geboten. Alle Angebote sind kärntenweit und kostenfrei via Anmeldung zu beanspruchen. Mit diesen gesundheitsförderlichen Maßnahmen soll zu einem gesunden Lebensstil motiviert werden. „Durch eine positive Änderung der Lebensgewohnheiten kann man das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, reduzieren und somit schwerwiegende Folgeerkrankungen eindämmen. Daher soll die Bevölkerung durch fachkundige Informationen für dieses wichtige Thema sensibilisiert werden“, so Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate PRETTNER. „Wir wollen nicht mit dem Finger auf bestimmte Zielgruppen zeigen oder mit erhobenem Finger vorschreiben, wie man gesund zu leben hat. Mit den Angeboten wollen wir Lust auf einen gesünderen Lebensstil machen sowie das Wohlbefinden positiv beeinflussen“, erklärte KGKK-Obmann Georg STEINER, MBA die Hintergründe zur Vorsorgeinitiative. Direkt mit den Angeboten sollen mehr als 9.000 Personen erreicht werden. Für die Finanzierung der Angebote stellt der Kärntner Gesundheitsfonds ein Budget aus den Mitteln des Gesundheitsförderungsfonds zur Verfügung.

 

Alle Informationen zur Diabetes-Strategie und registrierte „Therapie Aktiv“-Ärzte finden sich auch gebündelt unter www.kgkk.at/therapieaktiv. Alle Termine zu den Vorsorgeangeboten sind über www.kgkk.at/guteidee abrufbar.